Sieben urchristliche Prinzipien

Sieben urchristliche Prinzipien nach Apostelgeschichte 2, 42-47
Aus einer Predigt von Irene Kraft angelehnt an ein Referat von Pastor Friedemann Burkhardt, München

1. Die Bibel gibt die Richtung an

Die Bibel ist und bleibt die Basis unseres Glaubens. In ihr lesen wir von Gottes Leidenschaft für uns, von seiner Geschichte mit den unterschiedlichsten Menschen, von seinen hilfreichen Ideen für ein gelingendes Leben und Zusammenleben. Ich finde es immer wieder faszinierend, wie vielseitig die Bibel ist; wie unmittelbar ihre alten Texte und Geschichte oft ganz aktuell in unsere heutige Lebenswelt sprechen - weil wir Menschen trotz aller Fortschritte und Entwicklungen letztlich die gleichen geblieben sind und in den Figuren von Abraham oder David, Sara oder der Frau am Jakobsbrunnen so viel von uns selber entdecken können. Die Bibel ist ein kostbarer Schatz. Damit das nicht nur Theorie bleibt, ist es elementar wichtig, darin zu lesen und zu studieren - in der Gemeinschaft der Gemeinde, aber auch im persönlichen Lesen und Beschäftigen mit biblischen Texten.

2. Die Gemeinschaft der Gemeinde hat Priorität

In meiner Jugend gab es eine Phase, wo ich eigentlich jeden Abend in der Gemeinde war: Jugendkreis, Jungscharvorbereitung, Chor, Bibelstunde. Ich weiß gar nicht mehr, was ich da eigentlich alles mitgemacht habe -aber ich fand's toll und cool.
Das Leben hat sich verändert. Ich bin zwar durch meinen Beruf immer noch fast jeden Abend in der Gemeinde - aber ich finde es ehrlich gesagt nicht mehr immer so cool. Die meisten von uns haben viele ganz verschiedene Baustellen in ihrem Leben: Familie, Beruf, Hobbies, Sport, ehrenamtliches Engagement und dann eben auch noch Gemeinde. Da ist es gar nicht so leicht, Prioritäten zu setzen und alles unter einen Hut zu bekommen - oder sogar: Sich zu entscheiden, manche Dinge nicht mehr zu tun, obwohl sie auch wichtig wären und Spaß machen würden, weil alles einfach nicht geht.
Lebendige und leidenschaftliche Gemeinden zeichnen sich dadurch aus, dass es viele gibt, die der Gemeinde in ihrem Leben eine Priorität einräumen - nicht aus Pflichtgefühl, sondern weil es ihnen wichtig ist mit Gott und mit anderen Christen Gemeinschaft zu haben; weil die Gemeinde ein Ort ist, an dem sie für sich selber Kraft schöpfen, an dem sie Aufgaben wahrnehmen, die ihnen Freude machen und in denen sie einen tiefen Sinn sehen.
Dass Gemeinde vorgeht vor anderen Dingen muss dabei nicht heißen, jede freie Minute dort zu verbringen; aber es bedeutet, der Gemeinde einen besonderen Platz einzuräumen und sich bewusst Zeit und Energie dafür zu nehmen.

3. Im Abendmahl wird Jesu Gegenwart erwartet

Für die ersten Gemeinden war das Abendmahl ein ganz grundlegendes Element ihrer Gemeinschaft mit Christus und miteinander. Es gab Zeiten in der Geschichte, wo das verloren gegangen ist - auch in der Geschichte unserer eigenen Kirche, wo man teilweise nur noch höchstens viermal jährlich Abendmahl feierte und das ganze eine sehr ernste, fast traurige Angelegenheit war.
Doch eigentlich sollte das Abendmahl ein Herzstück unserer Gottesdienste sein - genau so wichtig wie die Predigt. Im Abendmahl will Christus uns begegnen. Wir bringen all das vor ihn, was uns beschäftigt und belastet; erfahren Befreiung, Vergebung, Gemeinschaft, schöpfen neue Kraft, feiern die Auferstehung. Wir sollten keine falsche Ehrfurcht vor dem Abendmahl haben, sondern es jedes Mal als ein großes Fest feiern, in dem Christus uns seine Nähe schenkt und wir uns darüber freuen dürfen.

4. Gebet ist die Grundkategorie des Lebens und Glaubens

Das Gebet gehört neben dem Bibellesen zur zentralen Beziehungspflege zu Gott. Das Gebet ist unsere direkte Kontaktfläche und Gesprächsmöglichkeit mit Gott. Die Bibel gibt uns in vielfältiger Weise die Zusage, dass Gott unsere Gebete hört und darauf antwortet. Nicht immer ganz direkt; nicht immer in dem Sinn, dass er unsere Bitten einfach erfüllt. Aber so, dass wir spüren: Die Worte und Gedanken, die wir vor ihn bringen verhallen nicht ungehört; sondern da ist jemand, der sich mit uns freut, mit uns Lasten teilt, für uns da ist.
Oft ist es eine große Hilfe, nicht nur alleine zu beten, sondern zu wissen: Andere stehen hinter mir im Gebet. Andere unterstützen mich im Gebet. Wie gut, dass es auch in unserer Gemeinde Menschen gibt, die viel Zeit investieren, um für die Gemeinde und für Einzelne zu beten. Sie tun einen ungemein wichtigen Dienst.

5. Die Teilnahme am Gottesdienst ist selbstverständlich

Ich habe gut reden, für mich ist die Teilnahme am Gottesdienst von Dienstes wegen selbstverständlich. Ich kenne es von vielen Gemeinden, dass das gar nicht mehr so selbstverständlich ist, zumindest nicht im wöchentlichen Rhythmus.
Ich habe eine tiefe Überzeugung: nämlich dass die Zeit, die wir im Gottesdienst bewusst in die Gemeinschaft mit Gott und die Gemeinde investieren, nicht verlorene Zeit ist oder Zeit, die wir besser hätten zum Ausruhen nutzen können. Ich glaube fest, dass der Gottesdienst Zeit ist, die für uns Quelle der Erholung, der Kraft, des Atemschöpfens ist. Und das hängt nicht nur davon ab, ob die Lieder nach meinem Geschmack sind oder nicht, ob ich die Predigt langweilig finde oder nicht, sondern auch davon, wie ich zum Gottesdienst komme und was ich von Gott erwarte und erbitte an Stärkung, an Gegenwart und wie offen ich dafür bin.

6. Aufrichtigkeit prägt die Gemeinschaft

Wir sind nicht die einzige Gemeinde, in der es an auch Spannungen, Rivalitäten und Konflikte gibt. Die gab es - so berichtet es uns das NT - schon unter den Jüngern von Jesus und erst recht in den ersten Gemeinden. Das ist einfach „typisch menschlich“. Die Frage ist, ob wir dabei stehen bleiben und das einfach so hinnehmen, oder ob wir uns immer wieder darum bemühen, liebevoll und ehrlich miteinander umzugehen, anderen zu sagen, wo ihr Verhalten oder ihr Reden uns Mühe macht -aber uns genau so sagen zu lassen, wo wir anecken und Unmut auslösen. Ich glaube wir wissen alle: Kritik auszuteilen ist viel einfacher, als sie einzustecken. Besser geht es, wenn nicht nur Kritik geäußert wird, sondern auch Lob und Anerkennung. Lasst uns offen und ehrlich miteinander umgehen und die Gemeinde da auch als Übungsfeld nutzen.

7. Gott gebührt Lob und Ehre

Dieses Prinzip ist nicht nur ein besonders schöner und frommer Abschluss der sieben urchristlichien Prinzipien. Sondern es berührt den Kern unserer Leidenschaft und unserer Existenz als Gemeinde: Wir sind überhaupt nur deswegen da, weil Gott uns in seine Gemeinschaft gerufen hat und wir von ihm Lebenskraft und Orientierung bekommen. Er ist der Grund und die Mitte unseres Daseins als Gemeinde. Lasst uns immer wieder miteinander auf diese Mitte schauen, uns gemeinsam freuen über Gottes Nähe, ihn loben für seine Liebe. Dann richtet sich unser Blick nicht mehr nur auf unsere eigenen Sorgen und Bedürfnisse, sondern auf das, was wir bei Gott finden und von ihm empfangen - was nicht nur für uns selber reicht, sondern auch noch zum Weitergeben. Aus dem gemeinsamen Lob wächst auch Nähe untereinander, aus dem Lob Gottes entsteht Kraft, die beflügelt und durch den Alltag trägt.